Warum Lob Gewalt ist

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Lob wird in der Gewaltfreien Kommunikation als Gewalt bezeichnet. Das klingt vermutlich zunächst etwas verwirrend. Begründet wird diese Einordnung folgendermaßen:

  1. Lob enthält immer eine Bewertung und Beurteilung.
  2. Lob erfolgt damit von oben nach unten. Der Lobende hat den Maßstab für „gut“ und „schlecht“ inne oder für „richtig“ und „falsch“ und legt den an das Verhalten des Gelobten an.
  3. Lob wird zum Teil manipulativ eingesetzt, um den Gelobten dazu zu bringen, das gelobte Verhalten öfter zu zeigen.
  4. Der Gelobte erlebt damit Zuwendung unter einer bestimmten Bedingung und es besteht die Gefahr, dass er das gelobte Verhalten zeigt, um gemocht zu werden, nicht weil er es selbst möchte.

Punkt 4 läuft häufig unbewusst ab. Oft freuen sich Menschen über Lob und bemerken nicht direkt, dass es einen gewissen Druck erzeugt, den Ansprüchen auch in Zukunft genügen zu wollen. Auch diejenigen, die loben, tun dies nicht selten aus den besten Absichten und sind sich der oben benannten Mechanismen nicht bewusst.

In der Gewaltfreien Kommunikation werden Wertschätzung und Dank ausgedrückt, anstatt zu loben. Auf diesem Weg wird dem Gegenüber mitgeteilt, wie es zu meinem Wohlbefinden beigetragen, mein Leben bereichert hat. Ich teile mit, welche Bedürfnisse bei mir erfüllt werden und wie ich mich dabei fühle. Dieser Ausdruck von Wertschätzung und Dank ist für beide Seiten in der Regel deutlich zufriedenstellender als Lob. In der Gewaltfreien Kommunikation gehen wir davon aus, dass Menschen zum Wohlergehen anderer beitragen wollen. Durch Wertschätzung und Dank erfahren sie, dass ihnen das gelungen ist. Dies berührt den Empfänger.

Der Ausdruck von Wertschätzung und Dank erfolgt dabei als ehrlicher Selbstausdruck (s. https://aufeinanderzugehen.com/wie-sie-die-chance-erhoehen-wirklich-gehoert-zu-werden/) in den vier bzw. drei Schritten:

  1. Ich benenne das Verhalten des Gegenübers, das zu meinem Wohlergehen beigetragen hat.
  2. Ich benenne mein Gefühl.
  3. Ich äußere mein Bedürfnis, das erfüllt wurde.
  4. Ich sage „danke“.

Statt

„Das hast Du ganz toll gemacht.“

sage ich also z.B.

„Als ich Deinem Vortrag über Selbst- und Zeitmanagement zugehört habe, war ich ganz         begeistert und beschwingt. Ich habe nun neue Inspirationen, meinen Arbeitsalltag umzustrukturieren und mehr Leichtigkeit bei der Arbeit zu gewinnen. Vielen Dank dafür.“

Anfangs ist dieser Ausdruck von Wertschätzung vielleicht etwas ungewohnt. Es gilt, mit zunehmender Übung eigene Formulierungen zu finden, die den Schritten (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Dank) folgen und gleichzeitig authentisch sind.

Wenn mir gegenüber auf diese Weise Wertschätzung ausgedrückt wird, bin ich jedesmal sehr berührt. Mir selbst gelingt es noch nicht immer, auf Lob zu verzichten und stattdessen Wertschätzung und Dank zu formulieren. Doch wenn es mir gelingt, spüre ich in dem Moment immer eine starke Verbindung zu meinem Gegenüber.

Auf meinem Facebook-Profil wird es in dieser Woche Beiträge zu diesem Thema geben.

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