Wie Pseudo-Gefühle uns Schwierigkeiten einhandeln

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„Ich fühle mich vernachlässigt.“

„Ich fühle mich alleine gelassen.“

„Ich fühle mich provoziert.“

Solche Ausdrücke gehören zu unserem Sprachgebrauch und vielleicht benutzen Sie sie auch manchmal. In der Wertschätzenden oder auch Gewaltfreien Kommunikation werden diese Begriffe als „Pseudo-Gefühle“ bezeichnet. Dies verdeutlicht, dass die Wörter wie Gefühle aussehen, schließlich sage ich ja „ich fühle mich…“. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Gedanken / Phantasien darüber, was jemand anderes mit mir macht. Pseudo-Gefühle haben somit immer einen Täter. Das sorgt dafür, dass beim Gegenüber ein Vorwurf ankommt, wenn wir diese Wörter aussprechen. „Ich fühle mich vernachlässigt“ impliziert ein „von Dir“. Ein Test, ob es sich um ein Pseudo-Gefühl handelt, besteht z.B. darin, dass ich ein „Du hast mich…“ vor das Wort setze. Wenn das aufgeht, handelt es sich meistens um ein Pseudo-Gefühl.

Die Wertschätzende Kommunikation empfiehlt daher, diese Gedanken für sich zu behalten und stattdessen die echten Gefühle auszusprechen. Wer denkt, dass er vernachlässigt wird, fühlt sich vielleicht alleine oder ist traurig. Wer denkt, dass er provoziert wird, ist vielleicht ärgerlich oder fühlt sich hilflos. Das Aussprechen echter Gefühle fördert die Verbindung zum Gegenüber, da dieses diese Gefühle ebenfalls kennt. Das Aussprechen von Pseudogefühlen führt eher zu einer Trennung und zu einer Abwehr durch das Gegenüber.

Sich mit Wertschätzender Kommunikation zu beschäftigen, kommt dabei am Anfang dem Erlernen einer Fremdsprache gleich. Die Pseudo-Gefühle haben sich so in unserem Sprachgebrauch manifestiert, dass sie sehr hartnäckig sind. Da heißt es also, „Vokabeln zu lernen“, um echte Gefühle von Pseudo-Gefühlen unterscheiden zu lernen. Wenn Sie daran Interesse haben, schreiben Sie mir gerne eine mail, dann schicke ich Ihnen meine Gefühls- und Pseudo-Gefühls-Listen zu.

Die Wertschätzende Kommunikation folgt der Grundannahme, dass andere Menschen niemals für meine Gefühle verantwortlich sind. Ihr Verhalten dient vielleicht als Auslöser meines Gefühls, die Ursache eines unangenehmen Gefühls sind jedoch unerfüllte Bedürfnisse. Den Bedürfnissen widme ich meine nächste Themenwoche und ich werde dann noch genauer darauf eingehen. Kurz gesagt ist es die Idee der Wertschätzenden Kommunikation, selbst die Verantwortung für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse und damit auch für die eigenen Gefühle zu übernehmen. Dies klingt zunächst vielleicht ungeheuerlich und anstrengend. Für mich ist es auch ein langer Weg, dieser Grundannahme stets zu folgen. Ich freue mich jedesmal, wenn es mir gelingt. Denn ich sehe darin eine große Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Chance für ein entspannteres und  friedlicheres Miteinander. Was andere tun oder lassen, kann ich nämlich nur wenig beeinflussen. Was ich tue oder lasse, liegt dabei ganz in meiner Hand. Der Umgang mit anderen wird für mich viel entspannter, wenn meine Gefühlswelt nicht von deren Handeln abhängt, sondern von meinem.

Ich freue mich auf einen Austausch zu diesem Thema in den Kommentaren. Außerdem wird es in den nächsten Tagen Beiträge dazu auf meinem Facebook-Profil geben.

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