Wie Sie bitten ohne zu fordern

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In dieser Woche wende ich mich den Bitten zu. Ich kann zum Beispiel jemanden darum bitten, eine bestimmte Strategie auszuführen, um mein Bedürfnis zu erfüllen: Ich kann meine Kollegin bitten, eine Aufgabe zu übernehmen, um Entlastung zu bekommen. Ich kann eine Freundin bitten, mit mir spazieren zu gehen, um Bewegung und Austausch zu erhalten.

In der Wertschätzenden Kommunikation wird dabei zwischen Forderungen und Bitten unterschieden. Forderungen führen beim Gegenüber oft zu Widerstand oder sie werden zähneknirschend aus Angst vor unangenehmen Konsequenzen erfüllt. Bitten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der andere bereit ist, einfühlsam auf mein Bedürfnis zu reagieren. Woran wir Bitten und Forderungen erkennen und unterscheiden können, erläutere ich in diesem Beitrag.

In einer echten Bitte formulieren ich positiv eine konkrete Handlung, die ich mir wünsche. Damit ist gemeint, dass ich das benenne, was der andere tun möge, anstatt das zu benennen, was er nicht tun möge. Eine negative Formulierung („Mal nicht auf dem Tisch“, „Verbring nicht so viel Zeit bei der Arbeit“) kann dazu führen, dass das Gegenüber nicht weiß, um was genau es gebeten wird. Das kann zu unerwünschten Ergebnissen führen (das Kind malt an der Wand, der Ehemann beginnt mit dem Marathon-Training). Genauso schwierig sind für das Gegenüber unkonkrete, vage Formulierungen („Ich möchte respektiert werden“, „Lass mir meine Freiheit“).

Desweitern sollte eine Bitte erfüllbar sein. Bitten, die sich darauf beziehen, wie jemand sein oder fühlen soll, sind häufig nicht erfüllbar, weil niemand seine Eigenschaften oder Gefühle ab sofort durchgängig ändern kann („Sei doch mal locker“, „Sei nicht traurig“).

Eine Bitte sollte sich außerdem an eine konkrete Person richten und im Hier und Jetzt erfüllbar sein. Der letzte Punkt klingt dabei zunächst verwirrend, weil wir nicht selten Menschen um eine Handlung in der Zukunft bitten möchten. Um diesen Faktor einer Bitte dennoch zu erfüllen, können wir eine solche Bitte ein wenig umformulieren und eine jetzige Zusage erbitten: „Kannst Du mir jetzt bitte sagen, ob Du am Samstag bei meinem Umzug hilfst?“

Der letzte Punkt, der eine hilfreiche Bitte kennzeichnet, unterscheidet sie zugleich wesentlich von einer Forderung und ist damit zentral: Eine Bitte lässt dem anderen die Wahl, diese zu erfüllen oder nicht. Damit ist gemeint, dass der andere keine unangenehmen Konsequenzen in Form von Unverständnis, Strafe (im weitesten Sinne) oder Liebesentzug zu fürchten braucht, wenn er die Bitte nicht erfüllt. Diesen Punkt umzusetzen, ist gar nicht so einfach. Er erfordert die Haltung, dass die Bedürfnisse aller Menschen gleichrangig sind und dass andere nicht dafür zuständig sind, meine Bedürfnisse zu erfüllen. In diesem Sinne ist für den anderen ein Nein zu meiner Bitte ein Ja zu seinem eigenen Bedürfnis, zu etwas, was ihm in diesem Moment gerade wichtiger ist. Er sagt damit nicht Nein zu mir oder zu meinem Bedürfnis, sondern nur zu der von mir erbetenen Strategie in diesem Moment. Eine solche Haltung ermöglicht es, auch nach einem Nein im Gespräch zu bleiben, auf das Bedürfnis des anderen einzugehen und evtl. die eigene Bitte so abzuändern, dass der andere nun gerne zustimmt, oder eine andere Lösung zur Erfüllung beider Bedürfnisse zu finden.

Auf meinem Facebook-Profil gibt es in dieser Woche weitere Beiträge zum Thema.

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