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In den letzten vier Wochen habe ich über Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten geschrieben. Damit haben wir nun die Bestandteile einer „Ich-Botschaft“ oder eines „ehrlichen Selbstausdruckes“ zusammen. Dabei geht es darum, dem anderen mitzuteilen, was mich bewegt und was ich mir wünsche. Ich teile also die Wahrheit über mich mit anstatt die „Wahrheit“ über den anderen. Der Vorteil dieser Ausdrucksweise ist, dass sie ohne Urteile, Bewertungen, Schuldzuweisungen und Vorwürfe auskommt und gleichzeitig klar und konkret benennt, worum es mir geht. Dadurch steigt die Chance, dass mein Gegenüber bereit ist, das aufzunehmen, was ich sage, vielleicht sogar meine Bitte zu erfüllen oder mit mir gemeinsam nach einer anderen Win-Win-Lösung zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit für Verständnis ist größer. Durch den Verzicht auf das Aussprechen von Bewertungen und Vorwürfen werden Nebenschauplätze und wenig hilfreiche Diskussionen vermieden.

Eine Ich-Botschaft klingt z.B: so:

Aus „Nie hörst Du mir zu.“ (Du-Botschaft)

wird „Wenn Du mich unterbrichst, während ich spreche, bin ich traurig, weil ich mir Aufmerksamkeit wünsche für das, was mir wichtig ist. Bist Du bereit, mir bis zum Ende zuzuhören, bevor Du sprichst?“ (Ich-Botschaft)

Wenn Sie damit beginnen, sich so auszudrücken, klingt das für Sie zunächst vielleicht etwas hölzern. Mit der Zeit werden Sie Formulierungen finden, die eine Ich-Botschaft darstellen und gleichzeitig zu Ihnen passen, authentisch sind.

Hier noch ein paar Tipps für die Formulierung:

  • Starten Sie beim ersten Schritt und enden Sie nach dem Vierten. Wenn Sie die Bitte weglassen, ist es möglich, dass beim Gegenüber ein latenter Vorwurf ankommt, obwohl Sie keinen formuliert haben. Die Botschaft bleibt in der Luft hängen. Die Bitte macht deutlich, was Sie sich wünschen, und das Gegenüber kann entscheiden, ob es die Bitte erfüllen will. Die Botschaft „wird rund“.
  • Nennen Sie zunächst ein Gefühl und ein Bedürfnis. Vermutlich haben Sie in der Situation mehrere Gefühle und es sind auch mehrere Bedürfnisse unerfüllt. Wenn Sie diese alle aussprechen, überfordert das das Gegenüber. Der ehrliche Selbstausdruck bildet den Beginn des Gesprächs über Ihr Anliegen. Sie werden im Verlauf Gelegenheit erhalten, noch weitere Gefühle und Bedürfnisse zu äußern. Beginnen Sie mit dem, was für Sie am wichtigsten ist, vorne ansteht.
  • Beschränken Sie sich auf 50 Wörter. Sie werden vermutlich nicht Ihre Wörter zählen. Das tue ich auch nicht. Wenn Sie jedoch einmal bei einem Text oder einem geplanten Selbstausdruck die Wörter zählen, bekommen Sie einen Eindruck davon, wie viel 50 Wörter sind. Es geht darum, sich kurz zu fassen und prägnant zu formulieren. Für das Benennen der Beobachtung reicht oft ein Satz aus. In vielen Fällen kennt das Gegenüber die Situation und braucht nur den Punkt zu wissen, auf den Sie sich beziehen.

Mehr dazu gibt es in den nächsten Tagen auf meinem Facebook-Profil.

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